Die Übungsformen:

Die 15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong (qigong taiji shiwushi shiliao)

sind 15 ineinander fließende Übungen, die die Übungsprinzipien des Qigong besonders klar erkennen lassen. Der Begriff Taiji ist nicht mit dem Taijiquan, der „Inneren Kampfkunst“ zu verwechseln. Taiji, in Bezug auf die 15 Ausdrucksformen, weist darauf hin, dass es sich um fließende kreisförmige Bewegungen handelt. Der Wandel von Yin und Yang wird sehr deutlich. Die einzelnen Übungen sind sehr Bildhaft und der Natur entnommen. Bilder, wie z.B. „ Den Mond halten“, „schiebe den Berg“ oder „der Pfau schlägt ein Rad“, lassen sich sehr anschaulich in Körperbewegungen umsetzten. Der Geist kommt zur Ruhe, Empfindungen wie Stärke, Harmonie und Leichtigkeit werden spürbar. Bestandteil sind auch die drei Grund-Schrittarten, die eine Basis für andere Qigong-Formen und Taijiquan bilden und somit als Einstieg sehr gut geeignet sind.


Die 8 Brokatübung (baduanjin)

sind wie die 15 Ausdrucksformen als Einstieg in das Qigong geeignet.
Diese Methode ist seit dem Altertum bekannt und besteht aus 8 einzelnen Übungsabschnitten. Im Laufe der Jahrhunderte sind viele unterschiedliche Stilrichtungen entstanden. Heute zählt sie in China zu der am weitest verbreitetsten Übungsmethode. Die Bezeichnung „Brokat“, bezieht sich auf den kostbaren, schönen Seidenstoff. Die Empfindung von Wertschätzung und Achtung wird auch den Übungen entgegen gebracht und begleitet das Praktizieren.
Die 8 Brokatübungen sind durch eine klare Struktur gekennzeichnet. Die kraftvollen Formen lassen den Bezug zur Kampfkunst erkennen, auch finden sich wesentliche Elemente der chinesischen Heilkunde wieder. Im kraftvollen Ausdruck üben wir Entspannen und Loslassen; die Achse „Himmel - Erde“ ist besonders betont.

Das Spiel der 5 Tiere (wuqinxi)

ist eine sehr bewegte, lebendige Qigong-Form. Typisch ist die Fortbewegung durch den Raum. Die Übungen sind in das Ordnungsprinzip der 5 Wandlungsphasen eingebunden, die eine Grundlage der chinesischen Medizin bilden. Nach dem, von Prof. Jiao entwickelten, Spiel der 5 Tiere ist der Bär der Wandlungsphase Erde zugeordnet, der Kranich dem Metall, der Tiger dem Wasser, der Hirsch dem Holz und der Affe dem Feuer. Hauptsächlich geht es darum, sich durch eine überhöhte stilisierte Nachahmung von Tierbewegungen und Wesensmerkmalen Kräfte zu entleihen, die latent in jedem von uns existieren. Auf diese Weise ist es möglich durch Bewusstwerdung von Qualitäten wie z.B. Erdverbundenheit, Leichtigkeit, Tapferkeit oder Geschicklichkeit aktiv auf unsere Gesundheit einzuwirken. Die natürlichen Kräfte des Universums in uns werden gepflegt und kultiviert.
Für das Erlernen des Tierspiels ist es hilfreich die Grundlagen des Qigong anhand der 15 Ausdrucksformen oder der 8 Brokate bereits zu kennen.

Nei Yang Gong (Innen Nährendes Qigong)

Die Übungen des Nei Yang Gong sind mündlich überliefert und gehen auf die Zeit der Ming-Dynastie (16.Jhd.) zurück. Liu Yafeis Vater, Liu Gui Zheng (1920-1983), begann erstmals in den 1950 er Jahren die Übungen auf ihre therapeutische Wirksamkeit hin zu untersuchen. Es entstand die erste Klinik, in der als Haupttherapeutikum Qigong zur Anwendung kam.
Das Nei Yang Gong umfasst Ruheübungen, Selbstmassage und Bewegungsübungen, die  aus 4x6 Übungseinheiten bestehen. Das Bewusste Bewegen der Wirbelsäule in alle erdenklichen Richtungen (beugen und Strecken, drehen, vor und zurück, spiralig) ist prägnant für das Innen Nährende Qigong. Die Wirbelsäule wird dadurch flexibler und gleichzeitig gestärkt, die Funktion der Inneren Organe positiv beeinflusst. Die Bewegung der vier Extremitäten folgen der Bewegung der Wirbelsäule, es entsteht ein harmonisches Miteinander. Positive Vorstellungsbilder bringen  den Geist zur Ruhe und verstärken die Wirkung der Übungen. Bevor gezielte Atmungsmethoden die Bewegungen begleiten werden sie erst gründlich, mit einer natürlichen Bauchatmung, eingeübt.